21.01.2026
Museum

Historie: Die Eintracht und Qarabağ

Am heutigen Mittwoch trifft die SGE zum dritten Mal in einem Pflichtspiel auf den Qarabağ FK. Grund genug für einen Blick in die Historie.

Am heutigen Mittwoch tritt Eintracht Frankfurt am 7. Spieltag der Champions League-Saison gegen Qarabağ FK an.

Am heutigen Mittwoch tritt unsere SGE am siebten Spieltag der Champions-League-Saison in Baku gegen den Qarabağ FK an. Wie üblich blickt das Museum im Vorfeld  auf die Historie. Zunächst jedoch ein Blick auf den Qarabağ FK selbst.

Qarabağ FK in Baku? - eine kurze Historie der Region

Die Geschichte der Stadt Agdam und des „Qarabağ Futbol Klubu“ lässt sich nicht ohne den Konflikt um „Nagorny Karabach“ (in Deutschland auch als „Berg-Karabach“ bekannt) erklären. Nagorny Karabach ist nur ein Teil der größeren Region Karabach, die bis 1822 ein eigenständiges Khanat war. Infolge der zunehmenden russischen Expansion in die Kaukasusregion kam es Ende des 18. Jahrhunderts zu mehreren kriegerischen Auseinandersetzungen mit dem Osmanischen Reich und Persien. 1783 schloss Ost-Georgien einen Schutzvertrag mit dem Zaren und wurde 1801 annektiert. Da Persien versuchte, seinen Einfluss über den Südkaukasus zurückzugewinnen, kam es zu Kriegen mit Russland, in denen das Khanat Karabach zwischen die Fronten geriet und 1805 die Vormachtstellung Russlands in der Region vertraglich anerkannte. Als sich der Khan 1806 aber wieder Persien annäherte, wurde er ermordet und sein Sohn Mehdi Qoli von den Russen installiert. Im Frieden von 1813 verlor Persien alle Gebiete nördlich des Flusses Aras (heute die Grenze zwischen Aserbaidschan und dem Iran) an Russland. 1822 wurde das Khanat aufgelöst und Mehdi Qoli Khan floh nach Persien. Im Krieg 1826-28 kämpfte er auf persischer Seite. 1836 durfte er nach Karabach zurückkehren und wurde nach seinem Tod 1845 in Agdam beigesetzt.

Laut Meyers Konversationslexikon von 1897 war Karabach fortan „der südliche Teil des russ. Gouvernements Jellissawetpol in Transkaukasien“. 1905 wurde die Stadt bei ethnischen Unruhen zwischen Armeniern und Aserbaidschanern fast vollständig zerstört. Nach der russischen Oktoberrevolution entstand im April 1918 die Transkaukasische Demokratisch-Föderative Republik, die aber nur bis Ende Mai Bestand hatte, nachdem sich Georgien, Aserbaidschan und Armenien für unabhängig erklärt hatten. Der daraufhin ausgebrochene Konflikt um die Region Karabach zwischen Armenien und Aserbaidschan wurde 1919 in einem „Provisorischen Abkommen“ beendet, das Armenien ganz Karabach zusprach. Doch schon ein Jahr später wurden die drei Kaukasus-Republiken von der Roten Armee besetzt und 1922 in der „Transkaukasischen SFSR“ zusammengefasst. Bereits 1921 hatte die russischen KP die Teilung Karabachs beschlossen, die 1923 umgesetzt wurde. Dabei kam Nagorny Karabach als „Autonomer Oblast“ zu Aserbaidschan, obwohl dort mehrheitlich Armenier lebten. In der Stadt Agdam waren die Aserbaidschaner dagegen deutlich in der Überzahl. Nach Auflösung des „Transkaukasisches SFSR“ 1936 wurden die drei Sowjet-Republiken Armenien, Aserbaidschan und Georgien gebildet. Nagorny Karabach blieb bei Aserbaidschan.

Nach dem Tod des aus Georgien stammenden Josef Stalin 1953 forderte Armenien mehrmals den Anschluss von Nagorny Karabach. In der Endphase der UdSSR schlug der Konflikt ab 1988 in offene Gewalt um mit Vertreibungen von Armeniern aus Aserbaidschan und Aserbaidschanern aus Armenien, die auf beiden Seiten zahlreichte Tote forderten. Nachdem Armenien im Mai und Aserbaidschan im Oktober 1991 ihre Unabhängigkeit erklärt hatten, eskalierte die Lage, da sich Nagorny Karabach im September von Aserbaidschan lossagte und die „Republik Arzach“ ausrief. Nach dem Scheitern einer Friedensinitiative von Russland und Kasachstan besetzte Armenien zwischen 1992 und 1994 Nagorny Karabach und weitere aserbaidschanische Gebiete. Die Stadt Agdam wurde 1993 eingenommen und fast völlig dem Erdboden gleichgemacht. Während rund 800.000 Aserbaidschaner Flüchtlinge im eigenen Land wurden, flohen auch 300.000 Armenier aus Aserbaidschan. 2020 und 2023 konnte Aserbaidschan alle seit 1994 besetzten Gebiete zurückerobern. Seitdem leben so gut wie keine Armenier mehr in Nagorny Karabach. Die Stadt Agdam wird seit 2021 wieder aufgebaut.

Der Fußballclub Qarabağ FK, eigentlich in Agdam beheimatet, fand 1993 eine neue Heimat in Baku, spielte zunächst im „Tofiq Ismayilov Stadion“ und dann im nach dem Linienrichter des WM-Endspiels von 1966 benannten „Tofiq Bahramov Stadion“ (31.000 Plätze). 2015 eröffnete der Klub die eigene „Azerzun Arena“. Da diese aber für die Champions League zu klein ist (5.800 Plätze), spielt der Klub nun doch wieder im Bahramov Stadion, wo zu den bisherigen Spielen der Ligaphase 30.250 (FC Kopenhagen), 30.887 (FC Chelsea) und 31.090 Zuschauer (Ajax Amsterdam) kamen.

2019 fand das Finale der Europa League in Baku statt. Eintracht Frankfurt verpasst das Finale knapp und scheiterte im Halbfinale am Chelsea FC.

Das ist der Qarabağ FK

Gegründet wurde der Klub 1951 als „Mehsul“ („Produkt“) und spielte in regionalen Ligen der Aserbaidschanischen SSR. Mit Platz 3 wurde 1966 die beste Platzierung erreicht. Nachdem sich der Klub 1969 wegen finanzieller Schwierigkeiten zurückgezogen hatte, kehrte er 1977 unter dem Namen „Shafaq“ („Dämmerung“) zurück und wurde 1981 erneut Dritter der Republik-Meisterschaft. Von 1982 bis 1987 wurde unter dem Namen „Kooperator“ gespielt. 1988 erfolgte die Umbenennung in Qarabağ FK. Im gleichen Jahr stieg man in die dritthöchste UdSSR-Liga auf. Seit 1992 spielt der Klub in der obersten Liga Aserbaidschans. Die Vereinsfarben sind blau-weiß. Mit zwölf aserbaidschanischen Meistertiteln ist der Quarabag FK der Rekordmeister. Auch die acht Pokalsiege sind Landesrekord. 

1996/97 nahm der Qarabağ FK erstmals am Europapokal teil und hat seit 2010/11 zehn Spiele gegen deutsche Mannschaften bestritten.

SaisonWettbewerbPartieErgebnisse
2010/11Europa League, PlayoffsBVB vs. Qarabağ FK4:0, 1:0
2013/14Europa League, PlayoffsQarabağ FK vs. SGE0:2, 1:2
2022/23Europa League, GruppenphaseFreiburg vs. Qarabağ FK2:1, 1:1
2023/24Europa League, GruppenphaseLeverkusen vs. Qarabağ FK5:1, 1:0
2023/24Europa League, AchtelfinaleQarabağ FK vs. Leverkusen2:2, 2:3

Die Bilanz: Kein Sieg, 2 Unentschieden, 8 Niederlangen, 8:23 Tore. Das Spiel gegen die Eintracht am 21. Januar 2026 ist das erste im Rahmen der Champions League.

2013: Zurück auf der europäischen Bühne

Als Bundesligaaufsteiger qualifizierte sich die SGE 2013 sensationell für das internationale Geschäft. Erster Gegner war in den Playoffs Qarabağ. 

22.08.2013 Qarabağ FK – Eintracht 0:2 (0:1)

Trapp, Celozzi, Zambrano, Anderson, Oczipka, Rode (85. Djakpa), Flum (80. Russ), Aigner, Meier, Inui (69. Lanig), Lakic. Trainer: Veh.

Tore: 0:1 Meier (6.), 0:2 Meier (75.). SR: Marciniak (Polen), ZS: 31.000 (ausv.).

29.08.1013 Eintracht – Qarabağ FK 2:1 (1:0)

Trapp, Celozzi, Zambrano, Anderson, Oczipka, Schwegler (63. Russ), Aigner, Flum, Inui, Rode (63. Rosenthal), Meier (70. Joselu). Trainer: Veh.

Tore: 1:0 Meier (10.), 1:1 Reynaldo (58.), 2:1 Inui (75.). SR: Pereira Gomes (Portugal) – ZS: 47.000 (ausv.).

Alex Meier, damals mehrfacher Torschütze, steht beim heutigen Spiel als Co-Trainer an der Seitenlinie.

2013 schaffte es die Eintracht über die Playoff-Spiele gegen Qarabağ FK in die Europa League.

Eintrachtler in Aserbaidschan

Bernhard Lippert, von 1994 bis 2005 Jugend-, Co-, Interims-und Amateurtrainer bei der Eintracht, war von 2008 bis 2020 Technischer Direktor beim aserbaidschanischen Fußball-Verband AFFA und für die U21- und U19-Nationalmannschaften verantwortlich. Von 2008 bis 2014 war mit Uli Stein ein weiterer ehemaliger Eintracht-Spieler in Aserbaidschan tätig, und zwar als Torwarttrainer der A-Nationalmannschaft, die in dieser Zeit von Berti Vogts betreut wurde.

Bernhard Lippert war nach seiner Zeit in Frankfurt lange in Aserbaidschan tätig.

Sonderfall: Europapokalfinale in Baku 2019

Am 29. Mai 2019 hätte die Eintracht fast noch einmal in Baku gespielt – und zwar im Finale der Europa League. Da man jedoch im Halbfinale beim FC Chelsea unglücklich im Elfmeterschießen ausgeschieden war, kam es zu einem rein englischen Endspiel gegen den FC Arsenal. Da die UEFA keine Ticketbörse anbot, hatten viele Eintracht-Fans das Problem, ihre bereits gekauften Tickets los zu werden. So kam man auf die Idee, sie dem SOS-Kinderdorf in Baku zu spenden. Über WhatsApp-Gruppen, das Eintracht-Forum und die Presse gingen in kürzester Zeit zahlreiche Ticket-, Sach- und Geldspenden ein, wie Charlien Wolf berichtete: „Durch das plötzliche öffentliche Interesse wurden uns auch Kontakte in Baku übermittelt, so zu Bernhard Lippert, der sich sofort bereit erklärte, uns zu unterstützen. Darüber ergab sich auch der Kontakt zur UEFA, die uns schlussendlich gestattete, die Tickets zu spenden und sogar gedruckte Karten zur Verfügung stellte, damit jedes Kind tatsächlich ein Ticket in der Hand hatte. Andere Eintracht-Fans nahmen Sachspenden in ihrem Gepäck mit ins SOS-Kinderdorf, wo alle sehr herzlich empfangen wurden. Der schönste Moment war aber, als die Kinder tatsächlich im Stadion eintrafen und klar war, dass wirklich alles funktioniert hatte. Da floss mehr als nur eine Träne bei allen Beteiligten. Insgesamt wurden Karten an acht Organisationen gespendet.“

2019 spendeten zahlreiche Eintracht-Fans ihre Tickets für das Finale in Baku.