07.04.2026
Museum

Spurensuche 6: Bericht von der Abschlussreise - Teil 1

Zum Abschluss des sechsten Spurensuche-Projekts stand eine Bildungsreise nach Nordhessen auf dem Programm. Axel „Beve“ Hoffmann berichtet in zwei Teilen über die Exkursion.

Im vergangenen September startete unter dem Titel „Frankfurt vergisst nicht“ die sechste Ausgabe des Projekts Spurensuche – organisiert vom Museum und dem Bereich Fans & Fankultur der Frankfurter Eintracht sowie vom Fritz Bauer Institut und dem Sportkreis Frankfurt. Diesmal rückten die Sportvereine in und um Frankfurt in den Mittelpunkt.

Zum Auftakt der Veranstaltungsreihe berichtete Harald Höflein über seine Recherchen zu Julius Bendorf, der als Einziger aus seiner Familie das Konzentrationslager Auschwitz überlebte, und stellte die Geschichte des Sportlers aus Ober-Ramstadt vor. Es folgten ein Besuch im Institut für Stadtgeschichte Frankfurt, die Stolpersteinverlegung für Max Loeb sowie ein Vortrag von Kirsten Schwartzkopff über den „Ruderverein Germania im Nationalsozialismus“. Den Abschluss der Vortragsreihe bildete ein Beitrag von Pavel Brunssen über „The Making of ‚Jew Clubs‘“. Die Abschlussfahrt führte nun im März 2026 zu den Arolsen Archives, in die Wewelsburg und nach Breitenau.  Axel „Beve“ Hoffmann berichtet in zwei Teilen über die Abschlussreise.

Die Reise

Rund 40 Eintracht-Fans trafen sich am Vormittag des 27. März an der Wintersporthalle Frankfurt und fuhren gegen 11.30 Uhr auf die Autobahn. Über die neue, hart umkämpfte A49 ging es am Dannenröder Forst vorbei, der unter dem Neubau erheblich gelitten hat, Richtung Kassel. Auf dem dicht gedrängten Programm stand zunächst ein Besuch der Arolsen Archives, des weltweit größten Archivs zu Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus.

Arolsen Archives

Bereits während des Zweiten Weltkriegs begannen die Alliierten, erste Erhebungen über die Opfer des Nationalsozialismus anzustellen. Daraus entwickelte sich ein zentrales Suchbüro, das über London und Versailles schließlich in Frankfurt seinen Platz fand.

Schon im Januar 1946 war der Sitz nach Arolsen (seit 1997 Bad Arolsen) verlegt worden. Ausschlaggebend waren zum einen die Lage in der Mitte der vier Besatzungszonen, zum anderen die weitgehende Unversehrtheit des Ortes. Ab Januar 1948 firmierte der Suchdienst unter dem Namen „International Tracing Service“ (ITS), seit Mai 2019 unter dem Namen Arolsen Archives.

Die Nationalsozialisten versuchten bis zuletzt, die Spuren ihrer Verbrechen zu verwischen. So zerstörten sie zahlreiche ihrer mit deutscher Gründlichkeit angelegten Dokumente und ermordeten trotz aussichtsloser Lage erbarmungslos die unfreiwilligen Zeugen ihrer Untaten.

Der erste Halt der Reise waren die Arolsen Archives.

Dennoch beherbergen die Arolsen Archives heute über 30 Millionen Dokumente zu Holocaustopfern; es finden sich Daten zu rund 17,5 Millionen Menschen. Seit 1998 werden die Bestände digitalisiert – momentan sind bereits 90 Prozent der papiernen Dokumente auch in digitaler Form gesichert worden. Die Originale lagerten lange Zeit an verschiedenen Orten in Arolsen, erst seit 2017 werden sie in einem zentralen Archiv aufbewahrt – einer Halle auf dem Gelände eines metallverarbeitenden Betriebs. In einigen Jahren ist der Umzug in ein neues Gebäude geplant – eine Herkulesaufgabe für die Mitarbeitenden.

In zwei Gruppen konnten die Teilnehmenden der Reise sowohl die Ausstellung im neuen Verwaltungsgebäude als auch die Archivhalle besichtigen. Wie komplex Zuordnungen und Archivierung sind, zeigt sich bereits daran, dass beispielsweise der Name „Abramowitsch“ in 849 Varianten existiert. Eine falsch abgelegte Akte dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit niemals wieder auftauchen. Da die Dokumente in unterschiedlichsten Sprachen verfasst sind und aus sämtlichen Bereichen der SS-Herrschaft stammen, war es zu Beginn der Erfassung äußerst hilfreich, dass zahlreiche Displaced Persons, (Menschen, die von den Nationalsozialisten verschleppt wurden und ob der Verfolgung nach Kriegsende in Deutschland gestrandet waren), am Aufbau des Archivs mitwirkten. Sie konnten etliche Akten übersetzen.

Die Ausstellung der Arolsen Archives.

Das digitale Archiv ist in Teilen seit 2015 online zugänglich. Standen in den ersten Jahrzehnten die Suche nach Vermissten und die Zusammenführung von Familien im Vordergrund, so sind die Arolsen Archives heute eine gefragte Adresse für Recherchearbeiten – beispielsweise im Zusammenhang mit Stolpersteinverlegungen. Seit 2013 zählen die Archives zum UNESCO-Weltkulturerbe.

In einem Workshop erhielten wir eine Einführung in die eigenständige Recherche – und fanden dabei selbstverständlich auch digitalisierte Unterlagen zu Helmut „Sonny“ Sonneberg. Sonny überlebte als Kind das Ghetto Theresienstadt und starb 2023 hochbetagt. Die erste Reise der Spurensuche führte bereits 2019 nach Theresienstadt – und Sonny kehrte damals, mehr als 70 Jahre nach seiner Deportation, an diesen Ort zurück. Wir aber fuhren nach dem Besuch der Arolsen Archives nach Kassel in unser Hotel.

Den zweiten Teil des Reiseberichts finden Sie hier.

In einem Workshop erhielt die Reisegruppe eine Einführung in die eigenständige Recherche – und fand dabei selbstverständlich auch digitalisierte Unterlagen zu Helmut „Sonny“ Sonneberg.

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